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🧭 Onthology Werkzeuge für Führung, Kommunikation & Selbstreflexion

🌳 Wortwurzel-Trainer

Wortbausteine statt Vokabeln: Präfixe und Wurzeln in Deutsch, Englisch und Russisch — mit der Unterscheidung, die den Unterschied macht: echt verwandt, gemeinsam entlehnt, bloß gleich gebaut oder falscher Freund. Neun Aufgabenarten von A1 bis C2, verteiltes Üben, Sprachausgabe über die Stimmen deines Geräts. Alles im Browser, nichts wird übertragen.

Sitzung

Rubriken:
Sprachen:

Die Stufe staffelt den Übungsstoff; ohne Haken wird alles bis einschließlich dieser Stufe geübt. C2 schaltet zusätzlich die deutschen Wortfamilien frei — 14 Wurzeln mit 183 Präfixbildungen, davon 149, deren Bedeutung nicht aus den Teilen ableitbar ist. Die Zuordnung ist eine begründete Setzung, keine amtliche Liste (siehe „Grundlage“).

Wie sicher war das?

Sitzung beendet

Katalog

Deutsche Klassen:

Die geschlossenen Klassen (Präfix i. e. S., Doppelgänger, nominale Präfixe) sind vollständig. Die offenen Klassen (Verbpartikeln, Präfixoide, Fremdpräfixe) wachsen mit der Sprache — dort steht ein begründeter Kernbestand. „Herkunft ↗“ führt zum DWDS und verlässt dabei das Werkzeug.

Sprachausgabe

Gesprochen wird mit den Stimmen, die auf diesem Gerät installiert sind (Web Speech API). Es wird nichts heruntergeladen und — bei lokalen Stimmen — nichts übertragen. Für jede der drei Sprachen wird eine eigene Stimme gewählt: eine deutsche Stimme, die kyrillischen Text vorliest, ergibt Kauderwelsch.

0,90×
Entfernte Stimmen werden auf einem fremden Server erzeugt: Der vorgelesene Text verlässt dabei dein Gerät, und ohne Netz schweigen sie. Lokale Stimmen tun beides nicht.
Für mindestens eine Sprache ist auf diesem Gerät keine Stimme installiert. Das Werkzeug funktioniert vollständig weiter — nur die Hörübung entfällt.
Stimme nachinstallieren
Windows 11Einstellungen → Zeit und Sprache → Sprache und Region → Sprache hinzufügen, dabei „Sprachausgabe" mit auswählen
macOSSystemeinstellungen → Bedienungshilfen → Gesprochene Inhalte → Systemstimme → Stimmen verwalten
AndroidEinstellungen → System → Sprachen → Text-in-Sprache-Ausgabe → Sprachdaten installieren
iOS/iPadOSEinstellungen → Bedienungshilfen → Gesprochene Inhalte → Stimmen
Linuxspeech-dispatcher mit espeak-ng oder piper; die Stimme muss dem Browser gemeldet sein

Lernstand

Gespeicherte Stände

Sichern und übertragen

Grundlage — und was sie nicht hergibt

Was belegt ist

Die systematische Übersicht von Bowers, Kirby & Deacon (2010) wertete 22 Interventionsstudien aus und fand durchgehend positive Wirkungen morphologischen Unterrichts auf Lesen und Rechtschreibung — am stärksten bei schwächeren Lesern. Goodwin & Ahn (2010) kamen in einer Metaanalyse von 17 Studien zum selben Bild.

Was nicht belegt ist

Eine Neuauswertung von Goodwin & Ahn fand für den Wortschatzzuwachs bei nicht geübten Wörtern einen Effekt von d = 0,04 — praktisch null. Der verbreitete Werbesatz „Lerne 20 Bausteine und verstehe 10 000 Wörter" ist damit nicht gedeckt, und dieses Werkzeug behauptet ihn nirgends. Es verspricht, was die Befundlage trägt: ein Verfahren zum Zerlegen, geübte Bausteine und die Erfahrung, dass die drei Sprachen zusammenhängen.

Warum wenige Bausteine viel bringen

White, Sowell & Yanagihara (1989) zählten Präfixe in Schullesestoff: vier Präfixe (un-, re-, in-, dis-) decken 58 % aller präfigierten Wörter ab, un- allein 26 %; zwanzig Präfixe decken fast 97 % der häufigsten präfigierten Wörter ab. Deshalb ist der Katalog hier nach Häufigkeit sortiert und nicht alphabetisch: Der Ertrag je Baustein fällt steil ab.

Warum drei Sprachen zusammen

Die EuroCom-Methode („Die sieben Siebe", Klein & Stegmann 2000; EuroComGerm, EuroComSlav) erschließt fremde Sprachen über das schon Vorhandene: internationaler Wortschatz, Lautentsprechungen, Wortbildungselemente. Deutsch und Englisch sind germanisch, Russisch ist slawisch — alle drei teilen indogermanisches Erbe und eine große Menge lateinisch-griechischer Internationalismen.

Die vier Verbindungsarten

Der häufigste Fehler dreisprachiger Sammlungen ist, alles Ähnliche „verwandt" zu nennen. Hier steht an jeder Verknüpfung, um welche Art es sich handelt:

KKognat — gemeinsames Erbe, lautgesetzlich getrennt (Mutter · mother · мать)
IInternationalismus — dieselbe Entlehnung aus Latein/Griechisch (Transport · transport · транспорт)
Pnur parallel — gleiche Funktion, verschiedene Herkunft (dt. zer- und ru. раз-)
Ffalscher Freund auf Morphemebene (ru. про- in программа ist griechisch, in пройти slawisch)

Jede Verwandtschaftsangabe trägt zusätzlich eine Sicherheitsstufe: gesichert, umstritten oder vereinfacht. Sprachgeschichte ist Rekonstruktion; dass das so ist, gehört zum Lernstoff.

„Alle deutschen Präfixe" — was das heißen kann

Es gibt keine Zahl, die für alle Auslegungen von „Präfix" gilt. Im engeren Sinn (gebundenes Morphem, untrennbar, unbetont) sind es sieben: be-, ent-, er-, ge-, miss-, ver-, zer-. Dazu kommen acht Doppelgänger, bei denen die Betonung entscheidet, und vier nominale Präfixe. Diese drei Klassen sind geschlossen und hier vollständig.

Was die Schultradition zusätzlich „trennbare Präfixe" nennt, sind Verbpartikeln — und die sind keine Präfixe, sondern Wörter: Sie stehen im Hauptsatz allein (Sie kommt an), tragen den Ton, und das ge- des Partizips steht hinter ihnen (angekommen). Ihre Zahl ist nicht festgelegt: Fast jedes Adjektiv kann eintreten (festhalten, kaputtmachen, wachrütteln). Dasselbe gilt für Präfixoide (Riesen-, blitz-) und für die entlehnten Fremdpräfixe.

Deshalb steht im Katalog an jeder Klassenüberschrift, ob sie geschlossen und damit vollständig ist oder offen und damit ein Kernbestand. Ein Werkzeug, das „alle Präfixe" verspricht, ohne das zu sagen, behauptet etwas Falsches — und zwar genau dort, wo es die Sache erklären sollte.

KlasseZahlAnspruch
Präfix im engeren Sinn7vollständig
Präfix oder Partikel8vollständig
nominales Präfix4vollständig
Verbpartikel52Kernbestand, offene Klasse
Präfixoid15Auswahl, offene Klasse
Fremdpräfix / Konfix39Kernbestand, offene Klasse

Niveaustufen A1 bis C2 — eine Setzung, keine amtliche Liste

Jeder Baustein trägt eine Stufe des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens. Diese Zuordnung ist begründet gesetzt und nicht übernommen, und das hat einen genauen Grund: Die amtlichen Wortlisten (Goethe-Zertifikat A1, A2, B1) führen präfigierte Bildungen ausdrücklich nicht auf, wenn sie ableitbar sind — mitmachen und wegbringen stehen dort nicht, weil man sie aus mit, weg und dem Verb erschließen soll. Die Stufen sagen also nichts über Präfixe; sie setzen die Ableitungsfähigkeit voraus. Wer daraus eine Präfixliste je Stufe machen will, muss sie selbst begründen.

Hier geschieht das nach vier Kriterien, in dieser Reihenfolge:

  1. Durchsichtigkeit — ist die Bedeutung aus den Teilen ablesbar? (anrufen ja, verstehen nein)
  2. Häufigkeit — kommt der Baustein im Anfangsunterricht überhaupt vor?
  3. Klasse — Partikeln früh, Präfixoide und Fremdpräfixe später.
  4. Stilebene — gehoben, erstarrt oder derb heißt spät (preisgeben, emporsteigen, saukalt).

Ohne Haken bei „nur dieses Niveau“ wird alles bis einschließlich der gewählten Stufe geübt — wer C1 wählt, übt auch A1. Das ist die übliche Lesart der Stufen: Sie sind kumulativ.

C2: Wortfamilien — wo die Bausteinregel aufhört

Der Referenzrahmen beschreibt C2 beim Wortschatz über Idiomatik und Konnotation: ein sehr breites Repertoire einschließlich idiomatischer Wendungen, mit Bewusstsein für Bedeutungsschattierungen. Genau dort liegt die Grenze der Wortbildung — und deshalb ist der C2-Teil dieses Werkzeugs kein weiterer Präfixstapel, sondern die Präfix-Wurzel-Kombination.

14 deutsche Wortfamilien mit 183 Bildungen: stehen, gehen, kommen, halten, setzen, stellen, ziehen, fallen, sprechen, tragen, nehmen, schließen, führen, schlagen. 149 davon sind lexikalisiert — ihre Bedeutung steht nicht in den Teilen:

besteheneine Prüfung schaffen — nicht „fest stehen“
entstehenneu ins Dasein treten — nicht „weg stehen“
gesteheneine Tat zugeben
jemandem etwas nachtragenübelnehmen — nicht „hinterhertragen“
es verschlägt einem die Sprachesprachlos machen

Das ist die ehrlichste Lehre des ganzen Werkzeugs: Wer die Bausteine kennt, kennt das Wort noch nicht. Die Zerlegung führt zur richtigen Frage, nicht zur fertigen Antwort — und genau deshalb steht in § „Was nicht belegt ist“ auch kein Transferversprechen. Im Katalog ist an jeder Bildung markiert, ob sie ableitbar ist oder nicht.

Herkunftsverweise — und was sie nebenbei belegen

Jeder deutsche Eintrag trägt einen Verweis Herkunft ↗ auf das DWDS, vorrangig auf Pfeifers Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. Von 108 geprüften Zielen führen 100 dorthin; acht auf das DWDS-Hauptlemma, weil Pfeifer dort keinen Eintrag hat. Ein Verweis ist kein Nachladen: Diese Seite holt nichts, erst ein Klick verlässt das Werkzeug.

Bei der Prüfung fiel etwas auf, das hierher gehört: Pfeifer führt die Präfixe als eigenes Lemma mit Bindestrich (ver-, be-, un-), die Partikeln dagegen ohne — deren Herkunft steht unter dem Wort selbst (ab, auf, über). Das ist keine Redaktionslaune, sondern dieselbe Unterscheidung wie oben: Partikeln sind Wörter und bekommen einen Worteintrag; Präfixe gibt es nur gebunden und deshalb nur als Präfixeintrag. Ein unabhängiges Wörterbuch bestätigt damit die Einteilung dieses Werkzeugs — man sieht es beim Klicken.

Verteiltes Üben

Der Zeitplan folgt SM-2 und hängt am Baustein, nicht am Beispielwort: Wer ver- fällig hat, bekommt es an einem anderen Wort als beim letzten Mal. Der heutige Stand der Technik ist FSRS — es sagt gegen einen Bestand von mehreren hundert Millionen echter Wiederholungen genauer vorher als SM-2. Der Zeitplan wird hier je Baustein als eigenes Objekt geführt, damit ein Wechsel eine Funktion austauscht und keinen Datenumbau bedeutet.

Grenzen dieses Werkzeugs

  • Es lehrt keine Sprache. Es liefert einen Baustein davon.
  • Es ersetzt kein etymologisches Wörterbuch, sondern zeigt eine belegte Auswahl.
  • Die Lauttabellen sind didaktisch vereinfacht (Vernersches Gesetz, Zweite Lautverschiebung und Ausnahmen bleiben außen vor).
  • Die Rangfolge ist nur für die ersten 32 Einträge je Sprache eine Häufigkeitsangabe; darüber ordnet der Katalog nach Klasse, nicht nach gemessener Häufigkeit. Im Rang steht dann ein Strich.
  • Die Herkunftsverweise gelten nur für Deutsch und altern: Ändert das DWDS seine Adressen, zeigen sie ins Leere. Das Prüfskript kann das nicht bemerken, weil es offline läuft.
  • Die Hörübung nutzt Systemstimmen. Wortbetonung geben viele Stimmen nicht zuverlässig wieder — die deutschen Betonungspaare (ÜBERsetzen / überSETZen) werden deshalb schriftlich geübt, nicht per Gehör.

Quellen

  • Bowers, P. N., Kirby, J. R. & Deacon, S. H. (2010): The Effects of Morphological Instruction on Literacy Skills. Review of Educational Research 80(2), 144–179.
  • Goodwin, A. P. & Ahn, S. (2010): A meta-analysis of morphological interventions. Annals of Dyslexia 60, 183–208 — samt der Neuauswertung zum Transfereffekt (d = 0,04).
  • White, T. G., Sowell, J. & Yanagihara, A. (1989): Teaching elementary students to use word-part clues. The Reading Teacher 42(4), 302–308.
  • Klein, H. G. & Stegmann, T. D. (2000): EuroComRom — Die sieben Siebe. Shaker (editiones EuroCom); EuroComGerm (Hufeisen), EuroComSlav (Zybatow).
  • Etymologie: Kroonen, Etymological Dictionary of Proto-Germanic; Derksen, Etymological Dictionary of the Slavic Inherited Lexicon (beide Brill); Pfeifer, Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (DWDS); Vasmer/Фасмер, Этимологический словарь русского языка.
  • Russische Rechtschreibung der Präfixe (раз-/рас-, пре-/при-) und Aspektpräfixe: Schulgrammatik, Gramota.ru.
  • Niveaustufen: Europarat, Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen für Sprachen — Begleitband (2020), Skala „Wortschatzspektrum“; Goethe-Institut, Wortlisten zu A1/A2/B1 (dort der Hinweis, dass ableitbare Präfixbildungen nicht aufgeführt werden); Glaboniat u. a., Profile deutsch.
  • Deutsche Präfixklassen: Fleischer, W. & Barz, I.: Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache (de Gruyter) — Begriffe Halbpräfix und Präfixoid; IDS Mannheim, grammis (Präfix, Präverb, Präverbfügung) — die Trennung von Präfix und Partikel.
  • Herkunftsangaben: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen von Wolfgang Pfeifer, digital im DWDS (dwds.de).
  • Sprachausgabe: MDN, SpeechSynthesis / SpeechSynthesisVoice.