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🧭 Onthology Werkzeuge für Führung, Kommunikation & Selbstreflexion

📝 Executive-Schreibwerkstatt

Überzeugend und knapp nach oben schreiben: Kernaussage zuerst (BLUF), Argumente als Pyramide (Minto), Zahlen statt Adjektive, Handlungsaufforderung mit Termin. Die Werkstatt analysiert deinen Text live (Flesch-Amstad-Lesbarkeit, Passiv, Nominalstil, Füllwörter, Wortbudget), der Pyramiden-Editor strukturiert die Argumentation — und der LLM-Prüfstand testet, was wirklich zählt: Was versteht eine eilige Vorständin in den ersten zehn Sekunden? Textanalyse und Editor laufen offline im Browser; nur die LLM-Prüfungen gehen mit deinem eigenen Key an api.anthropic.com.

1 · Das Prinzip: Die Antwort zuerst

Vorstände lesen keine Texte — sie scannen Entscheidungsvorlagen. Wer die Kernaussage vergräbt, verliert in Sekunden. Und die Forschung ist deutlich: Einfache Sprache macht den Autor kompetenter, nicht simpler. Fünf Schreib-Grundsätze:

📝 Fünf Schreib-Grundsätze
  • Die Antwort zuerst (BLUF). „Bottom Line Up Front“ — Kernaussage und Empfehlung in den ersten Satz, Begründung danach (US-Army-Schreibdoktrin, DA Pam 600-67, 1986; Minto).
  • Die Pyramide trägt. Eine Kernaussage → 2–4 überschneidungsfreie, zusammen vollständige Argumente (MECE) → Belege. Jede Ebene beantwortet die Frage, die die darüberliegende aufwirft (Minto, Erstauflage 1978).
  • Einfach = kompetent. Unnötig komplexe Sprache senkt die zugeschriebene Intelligenz des Autors (Oppenheimer 2006); Klartext wird besser verstanden, bevorzugt und eher befolgt (Kimble 2012, Synthese ~50 Studien).
  • Zahlen statt Adjektive, Handlung statt Prozess. „Signifikante Verbesserung“ ist Dekor — „−18 % Durchlaufzeit“ ist ein Argument. Und am Ende steht, wer was bis wann entscheidet.
  • Kürzen ist die Arbeit. Wortbudget setzen, Lieblinge streichen. Und die Ausnahmen kennen: Bei ablehnendem Publikum erst Situation–Komplikation–Frage aufbauen; Amazons 6-Pager ist bewusst ausführlich — ein eigenes Genre, kein Widerspruch.

Die sieben Kriterien, an denen der Prüfstand (Abschnitt 4) jeden Text misst:

2 · Pyramiden-Editor (Minto)

Erst denken, dann schreiben: Kernaussage formulieren, 2–4 Argumente MECE gruppieren, Belege daran hängen. Die Frage-Antwort-Ansicht zeigt, ob die vertikale Logik trägt — der MECE-Check (LLM) prüft Überschneidungen und Lücken.

Der MECE-Check braucht einen API-Key (Abschnitt 4). Alles andere läuft offline.

3 · Schreib-Werkstatt mit Imponierprosa-Detektor

Schreib oder lade deinen Text — die Analyse läuft live und offline: Lesbarkeit nach Flesch-Amstad, Satzlängen, Passiv-Signale, Nominalstil, Füllwörter. Dazu das Wortbudget für die Kill-your-darlings-Runde. Übungsmaterial: drei absichtlich schlechte Memos.

✂️ Wortbudget:

Faustgrößen: BLUF-E-Mail ≤ 120 Wörter · Ein-Seiter/Board-Memo ≈ 300 · Executive Summary ≈ 150. Über Budget? Erst ganze Absätze streichen, dann Sätze, dann Wörter.

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4 · Der Prüfstand (LLM)

Vier Prüfungen für den Text aus der Werkstatt (Abschnitt 3). Die wichtigste zuerst: Beim „Erste 10 Sekunden“-Test bekommt die eilige Vorständin wirklich nur deinen ersten Absatz zu sehen — mehr Zeit hast du im echten Leben auch nicht. Nur diese Aufrufe verlassen den Browser: mit deinem eigenen Key direkt an api.anthropic.com.

🔑 API-Zugang (eigener Anthropic-Key)

Der Key wird nur lokal in diesem Browser gespeichert und ausschließlich an api.anthropic.com gesendet. Einen Key bekommst du unter console.anthropic.com.

Die Vorständin liest nur Absatz 1 — was kommt an?
BLUF, MECE, Logik, Handlung, Ökonomie, Zahlen, Adressat — je 0–5.
Umschreiben nach Minto/BLUF — mit Änderungsliste.
Vorher
Nachher (LLM)

Die Prüfungen sind Übungen mit einem Sprachmodell — Urteile können danebenliegen; Fachinhalte immer selbst prüfen.

5 · Subject-Line-Drill

Die Betreffzeile ist der kleinste Ein-Seiter: Handlung, Kern und Termin in einer Zeile. Fünf Situationen — schreib deine Betreffzeile, die Werkstatt prüft die Handwerksregeln, dann vergleiche mit dem Muster.

6 · Grundlagen & Quellen

Was hinter der Werkstatt steckt — mit Evidenz-Ampel je Aussage:

apeer-reviewte Empirie betabliertes Praxismodell ohne starke Empirie cKritik, Grenzen, widerlegte Mythen
  1. aEinfache Sprache macht kompetent: Oppenheimer (2006), „Consequences of Erudite Vernacular Utilized Irrespective of Necessity“, Applied Cognitive Psychology 20, 139–156 — unnötig komplexe Sprache senkt die dem Autor zugeschriebene Intelligenz (Processing Fluency); sogar schwer lesbare Schrift wirkt so. Grenze: gemessen wird Zuschreibung, nicht Entscheidungsqualität.
  2. aKlartext wirkt: Kimble (2012), Writing for Dollars, Writing to Please — Synthese von ~50 Studien: Klartext wird besser verstanden, bevorzugt und eher befolgt (heterogene Einzelstudienqualität, in der Summe konsistent).
  3. bDie Pyramide: Barbara Minto, The Pyramid Principle — Erstauflage 1978 im Selbstverlag (1987 Pearson; „The Minto Pyramid Principle“ 1996): Kernaussage zuerst, MECE-gruppierte Argumente, Frage-Antwort-Logik zwischen den Ebenen. Beratungs-Standard ohne eigene Wirksamkeitsstudien — indirekt durch die Fluency-Forschung gestützt.
  4. bBLUF: „Bottom Line Up Front“ — Primärquellen sind DA Pamphlet 600-67, „Effective Writing for Army Leaders“ (02.06.1986) und Army Regulation 25-50: Kernbotschaft an den Anfang, aktive Sprache, kurze Sätze.
  5. bAmazon-Narrative/6-Pager: PowerPoint-Verbot 2004; Bryar & Carr, „Working Backwards“ (2021). Achtung: Der 6-Pager ist bewusst ausführlich (narrative Tiefe statt Bullets) — im Werkzeug als eigenes Genre neben dem Ein-Seiter behandelt, nicht als Widerspruch zu BLUF.
  6. bLesbarkeit: Flesch Reading Ease (Flesch 1948), deutsche Anpassung Amstad (1978): FRE(de) = 180 − (Wörter/Sätze) − 58,5 × (Silben/Wort). Die Werkstatt zählt Silben heuristisch (Vokalgruppen) — als Näherung völlig ausreichend.
  7. cGrenzen, ehrlich benannt: Lesbarkeitsformeln messen nur die Oberfläche, nicht Struktur oder Wahrheit (Bailin & Grafstein 2001, Language & Communication 21, 285–301) — Indikator, kein Urteil. „Kernaussage zuerst“ ist kontextabhängig: Bei ablehnendem Publikum erst Situation–Komplikation–Frage aufbauen (auch das ist Minto). Passiv-, Nominalstil- und Füllwort-Erkennung hier sind Heuristiken — sie finden Signale, keine Fehler.

Redlicher Hinweis: Die Beispiel-Memos sind absichtlich schlecht konstruiert und frei erfunden. LLM-Urteile sind Übungs-Feedback, keine Freigabe — Fachliches, Zahlen und Vertraulichkeit prüfst du selbst, bevor irgendetwas dein Haus verlässt.

Verwandt in der Suite: 🎙️ Präsentations-Trainer (das mündliche Pendant), 🚨 Krisen-Trainer (heikle Botschaften unter Druck), ✍️ Feedback-Formulierer (schwierige Einzelbotschaften).