🔗 Konnektoren-Trainer
Zeit und Grund im Deutschen — gegen den Fehler, der nicht von selbst verschwindet. als/wenn/wann, nachdem mit Zeitenfolge, während · seit · bis und weil · da · denn · deshalb · wegen mit ihren Wortstellungen. Der Trainer sagt die Lösung nicht vor: Bei einem Fehler kommt zuerst eine Frage, die dich selbst korrigieren lässt. Alles im Browser, nichts wird übertragen.
Sitzung
Bilanz
Eingangsdiagnose
20 Aufgaben, ausgewogen verteilt: zu jedem Konnektorpaar gleich viele in beide Richtungen. Danach steht nicht eine Prozentzahl da, sondern ein Satz darüber, welche Verwechslung du machst — und in welche Richtung.
Nach jeder Aufgabe wirst du gefragt, wie sicher du dir warst. Das ist keine Höflichkeit: Fehler, bei denen man sich sicher war, lassen sich am besten korrigieren. Der Trainer nimmt sie sich zuerst vor.
Wie sicher warst du?
Fehlerprofil
Verglichen wird ausschließlich mit deiner eigenen Vergangenheit. Es gibt keine Bestenliste, keine Serie und keinen Punktestand — beides, die Befundlage und die Regeln dieser Suite, sprechen dagegen (siehe „Grundlage“).
Verwechslungsmatrix
Zeile = was stehen müsste, Spalte = was du gesetzt hast. Die Diagonale ist richtig; jede Zelle daneben ist ein benennbares Muster.
Regeln
Stände sichern
Eigene Sätze
Trag Sätze ein, an denen du selbst hängen bleibst — aus Texten, Korrekturen, dem Unterricht. Sie kommen in dieselbe Sitzung wie der mitgelieferte Bestand und in denselben Zeitplan.
Was das Werkzeug hier nicht kann: Es prüft nicht, ob dein Satz richtig ist. Es glaubt dir. Ein falsch eingetragener Satz übt einen Fehler ein — deshalb lieber aus einer korrigierten Quelle abschreiben als aus dem Gedächtnis.
Deine Sätze
Katalog
Geordnet nach den syntaktischen Klassen des Handbuchs der deutschen Konnektoren (IDS Mannheim). Die Klasse entscheidet die Wortstellung — daran hängt der zweite große Fehlertyp. Jede Regel nennt ihre Quelle.
Grundlage
Warum dieser Fehler nicht von selbst verschwindet
Wer durchgehend wenn setzt, wo als stehen muss, hat keine Wissenslücke, sondern eine falsche Regel. Der Grund, warum sie bleibt, ist unbequem: Der Fehler kostet nichts. „Wenn ich ein Kind war" wird verstanden, niemand fragt nach. Natürlicher Sprachgebrauch liefert positive Evidenz (so sagt man es), aber keine negative (so sagt man es nicht) — beide Formen kommen ja vor, nur in anderer Verteilung.
Dahinter steht eine Eins-zu-viele-Abbildung: Englisch when, russisch когда, französisch quand decken ab, was das Deutsche über zwei Merkmale aufteilt. Deshalb fragt dieser Trainer nie „Was heißt when?", sondern immer: einmalig oder wiederholt, vergangen oder nicht?
Warum die Lösung nicht sofort erscheint
Lyster & Saito (2010) werteten 15 Klassenraumstudien mit 827 Lernenden aus. Zwei Befunde bestimmen den Aufbau dieses Werkzeugs:
- Aufforderungen zur Selbstkorrektur wirken stärker als die stillschweigend korrigierte Wiederholung. Deshalb kommt bei einem Fehler zuerst eine Frage, dann ein zweiter Versuch — und erst dann die Auflösung.
- Die Effekte zeigen sich am deutlichsten bei frei konstruierten Antworten. Deshalb wird hier getippt und gebaut, nicht nur angekreuzt.
Li (2010) fand über 33 Untersuchungen für korrektives Feedback eine mittlere Effektstärke von d = 0,61; explizites Feedback wirkt kurzfristig stärker, implizites hält länger. Übersetzt: Am Anfang ist Deutlichkeit richtig, danach zählt Wiederholung im Gebrauch.
Warum es hier kein Lob gibt
Hattie & Timperley (2007) unterscheiden vier Ebenen der Rückmeldung: Aufgabe, Prozess, Selbststeuerung — und Person. Die vierte ist die schwächste: Lob der Person („Du bist gut!") wirkt selten. Die Rückmeldung hier bleibt deshalb auf den ersten drei Ebenen. Sie sagt, wofür sie gilt, benennt den Griff, der getragen hat, und zeigt die eigene Veränderung.
Ebenfalls nicht gebaut: Mindset-Sprüche und Serien. Die Metaanalyse von Sisk u. a. (2018) über rund 365 000 Lernende fand für Mindset-Interventionen d = 0,08; Macnamara & Burgoyne (2023) fanden über 122 Studien bei erheblichem Publikationsbias unter den methodisch besten Arbeiten keinen belastbaren Effekt. Dazu kommt die Regel dieser Suite: keine Dark Patterns, keine Serien, keine Bestenlisten. Hausregel und Befundlage sprechen unabhängig voneinander gegen dieselbe Bauform.
Was stattdessen wirkt, steht in jeder Rückmeldung: die Benennung des Merkmals, der Hinweis auf den eigenen Griff, die schrumpfende Verwechslungsmatrix und der ausgesprochene Kipp-Punkt — „seit fünf Aufgaben nicht mehr, vorher neun von zehn". Das ist kein Lob, sondern ein Beleg.
Der Gegenstand
Geordnet nach dem Handbuch der deutschen Konnektoren (Pasch, Brauße, Breindl & Waßner 2003, IDS Mannheim; rund 300 Konnektoren), das nicht nach Bedeutung ordnet, sondern nach formalen Gebrauchsbedingungen: Stellung, Intonation, Format der verknüpften Sätze. Daraus folgt die Reihenfolge im Katalog — erst die Klasse, dann die Bedeutung. Denn „Deshalb ich habe keine Zeit" ist kein Bedeutungsfehler, sondern ein Klassenfehler.
Regelverweise: jede Regel ist nachlesbar
Jede der 33 Regeln verweist auf eine öffentlich nachprüfbare Seite einer wissenschaftlichen Institution — in der Auflösung jeder Aufgabe und im Katalog. Vorrangig ist grammis, das grammatische Informationssystem des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache (Systematische Grammatik, Wörterbuch der Konnektoren, „Grammatik in Fragen und Antworten", amtliche Rechtschreibregeln); wo grammis das einzelne Wort nicht behandelt, das DWDS der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Die Einteilung der Klassen im Katalog: grammis: Konnektoren. Alle Verweise wurden am 24.08.2026 einzeln abgerufen und gegen den Regeltext gelesen.
Richtige Alternativen zählen als richtig
Viele Lücken lassen mehr als eine richtige Form zu: obgleich neben obwohl, ehe neben bevor, so dass neben sodass (beide amtlich, § 39 E3), da im vorangestellten Begründungssatz, deshalb neben folglich vor dem Hauptsatz. Der Trainer akzeptiert sie alle — ein Werkzeug, das richtiges Deutsch als Fehler markiert, trainiert Misstrauen statt Grammatik. Die Erstlösung bleibt die Ziel-Form der Regel: Sie erscheint in der Auflösung zuerst und trägt die Verwechslungsmatrix.
Grenzen
- Kein Sprachkurs. Ein Ausschnitt der Grammatik, und zwar der, an dem verfestigte Fehler sitzen.
- Keine Korrektur freier Texte. Geprüft wird gegen bekannte Lösungsmengen. Ein Werkzeug, das freie Sätze bewertet und dabei irrt, richtet mehr Schaden an als es nützt.
- Keine Varianten verboten. weil mit Verbzweitstellung („…, weil die Straße ist nass") ist im gesprochenen Deutsch verbreitet und trägt dort eine andere Lesart: Der Nebensatz begründet die Schlussfolgerung, nicht das Ereignis. Der Trainer übt die Schriftsprache und benennt die Varianten, statt sie zu streichen. Regional kausales nachdem ebenso.
- Keine Übertragung versprochen. Die Befundlage stützt Korrektheitsgewinne bei geübten Strukturen; ob sie im freien Sprechen ankommen, hängt am Gebrauch.
- Kein Niveautest. Die Diagnose beschreibt ein Fehlermuster, kein Zertifikat.
Quellen
- Pasch, R., Brauße, U., Breindl, E. & Waßner, U. H. (2003): Handbuch der deutschen Konnektoren. Berlin/New York: de Gruyter (Schriften des IDS 9).
- Leibniz-Institut für Deutsche Sprache: grammis — grammatisches Informationssystem, grammis.ids-mannheim.de — Regelverweise je Regel, siehe oben.
- Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften: DWDS — Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, dwds.de.
- Li, S. (2010): The Effectiveness of Corrective Feedback in SLA: A Meta-Analysis. Language Learning 60, 309–365.
- Lyster, R. & Saito, K. (2010): Oral Feedback in Classroom SLA: A Meta-Analysis. Studies in Second Language Acquisition 32, 265–302.
- Hattie, J. & Timperley, H. (2007): The Power of Feedback. Review of Educational Research 77(1), 81–112.
- Sisk, V. F. u. a. (2018), Psychological Science; Macnamara, B. N. & Burgoyne, A. P. (2023), Psychological Bulletin — zur schwachen Befundlage von Mindset-Interventionen.
- Selinker, L. (1972): Interlanguage. IRAL 10(3) — zur Verfestigung von Zwischenformen.
- Europarat (2020): Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen — Begleitband, Skala „Grammatische Korrektheit“ (C2: durchgehende Beherrschung, auch bei anderweitig gebundener Aufmerksamkeit).
Vollständige Begründung aller Bauentscheidungen: KONZEPT-KONNEKTOREN-TRAINER-2026-08-15.md im Sammelrepo.