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🧭 Onthology Werkzeuge für Führung, Kommunikation & Selbstreflexion

🧮 Modell-Werkstatt

Modellbasiertes Denken in vier Dimensionen üben: Methodenkompetenz, Toolkompetenz, Analytik und Abgrenzung — mit geführtem Canvas, Methoden- und Werkzeugkatalog sowie Kompetenz-Check. Alles läuft lokal in Deinem Browser.

„Alle Modelle sind falsch, manche sind nützlich.“ — George E. P. Box, 1976 Ein Modell ist eine zweckgebundene, vereinfachte Repräsentation der Wirklichkeit — nie die Wirklichkeit selbst. Es ist immer für etwas gebaut und nur in seinem Geltungsbereich brauchbar.
Karte ≠ Gebiet (Alfred Korzybski) — mehr dazu im Reiter „Grundlagen & Quellen“.

🧩 Modell bauen

Ein geführter Canvas für eine konkrete Frage. Arbeite die Schritte von oben nach unten durch — alles wird automatisch in diesem Browser gespeichert.

1 · Zweck / Frage

Welche Entscheidung oder Frage soll das Modell beantworten? Ein Modell ohne klaren Zweck lässt sich nicht bewerten.

Wähle, wofür das Modell in erster Linie dienen soll — das lenkt Methoden- und Werkzeugwahl.

2 · Abgrenzung

Jedes Modell braucht eine bewusste Grenze. Ohne Abgrenzung wird ein Modell entweder zu simpel oder unbeherrschbar komplex.

✅ Gehört hinein

🚫 Bewusst NICHT

Annahmen, die Systemgrenze, Ebene oder Zeithorizont betreffen — Rechen-/Ergebnisannahmen gehören unten in „Analytik“.

Karte ≠ Gebiet (Alfred Korzybski): Dein Modell ist immer eine Vereinfachung. Je bewusster Du die Grenze ziehst, desto klarer weißt Du, wo das Modell aufhört zu gelten.

3 · Methodenkompetenz

Welche Modellierungsmethode passt zu Deiner Frage? Wähle aus dem Katalog und begründe die Wahl.

4 · Toolkompetenz

Welche Werkzeug-Klasse setzt die Methode am schnellsten um?

🔧 Leitsatz: Das einfachste Werkzeug, das die Frage beantwortet.

5 · Variablen & Beziehungen

Was fließt hinein, was kommt heraus, und was treibt das Ergebnis am stärksten?

6 · Analytik

Was trägt das Ergebnis, wie gut ist es geprüft, und wo hört die Aussagekraft auf?

Annahmen, die das Ergebnis inhaltlich/rechnerisch treiben — nicht der Rahmen (dafür siehe „Abgrenzung“ oben).

Welche einzelne Annahme dominiert das Ergebnis am stärksten, wenn Du sie veränderst?

Wie prüfst Du das Modell gegen die Realität — Daten, Erfahrungswerte, Plausibilitätscheck, Rückblick?

📚 Methoden & Werkzeuge

16 Modellierungsmethoden, gruppiert nach qualitativ/System, quantitativ und Prozess/diskret — durchsuchbar. Darunter die Werkzeug-Klassen für die Toolkompetenz (bewusst ohne Produktnamen).

Methoden

Werkzeug-Klassen

🔧 Leitsatz: Das einfachste Werkzeug, das die Frage beantwortet — nicht das mächtigste, das gerade zur Hand ist.

🧭 Kompetenz-Check

Schätze Dich in den vier Dimensionen modellbasierten Denkens ein — je 5 Aussagen, Skala 1 (trifft nicht zu) bis 5 (trifft voll zu). Das Ergebnis zeigt ein Profil mit gezielten Förder-Tipps und passenden Methoden aus dem Katalog.

Profil

Verlauf

📖 Grundlagen & Quellen

Ein Modell ist eine zweckgebundene, vereinfachte Repräsentation eines Ausschnitts der Wirklichkeit — gebaut, um eine bestimmte Frage zu beantworten, nicht um die Wirklichkeit vollständig abzubilden.

George E. P. Box (1976) — „Alle Modelle sind falsch, manche sind nützlich“

Der Statistiker George E. P. Box formulierte in seinem Aufsatz „Science and Statistics“ (1976) den heute meistzitierten Satz der Modellierungsliteratur: „All models are wrong, but some are useful.“ Kein Modell erfasst die Realität vollständig — die Frage ist nicht, ob ein Modell „wahr“ ist, sondern ob es für seinen Zweck nützlich ist.

Quelle: G. E. P. Box, „Science and Statistics“, Journal of the American Statistical Association 71(356), 1976.

Donella Meadows — Systemgrenzen (Thinking in Systems, 2008)

In Thinking in Systems: A Primer betont Donella Meadows, dass Systemgrenzen nicht in der Realität vorgegeben, sondern gedanklich gezogen werden — je nach Zweck der Betrachtung. Eine Systemgrenze falsch (zu eng oder zu weit) zu ziehen, ist einer der häufigsten Modellierungsfehler.

Quelle: D. H. Meadows, Thinking in Systems: A Primer, Chelsea Green Publishing, 2008.

John D. Sterman — mentale Modelle & Modellvalidierung (Business Dynamics, 2000)

John Sterman zeigt in Business Dynamics: Systems Thinking and Modeling for a Complex World, dass jede Entscheidung auf einem mentalen Modell beruht — formale Modelle machen diese impliziten Annahmen explizit und damit kritisierbar. Er betont Validierung als fortlaufenden Prozess (Tests auf Struktur, Verhalten und Grenzen), nicht als einmaligen Haken.

Quelle: J. D. Sterman, Business Dynamics: Systems Thinking and Modeling for a Complex World, McGraw-Hill, 2000.

Scott E. Page — REDCAPE & Many-Model-Thinking (The Model Thinker, 2018)

Scott E. Page ordnet in The Model Thinker die Nutzungsarten von Modellen im Akronym REDCAPE: Reason (Begründen), Explain (Erklären), Design (Entwerfen), Communicate (Vermitteln), Act (Handeln), Predict (Vorhersagen), Explore (Erkunden). Sein zentrales Argument für „Many-Model-Thinking“: Wer mehrere Modelle für dieselbe Frage kennt, ist weniger anfällig für die blinden Flecken eines einzigen Modells — Modelle als Disziplin gegen kognitive Verzerrungen wie Bestätigungsfehler oder Ankereffekt.

Quelle: S. E. Page, The Model Thinker: What You Need to Know to Make Data Work for You, Basic Books, 2018.

Joshua M. Epstein — Why Model? (2008)

Joshua Epstein listet in seinem Aufsatz „Why Model?“ 16 legitime Gründe, ein Modell zu bauen — Vorhersage ist nur einer davon. Andere sind: Erklären, Anleiten von Datenerhebung, Aufdecken versteckter Annahmen, Illustrieren von Kernbeziehungen, Trainieren von Intuition, Entdecken neuer Fragen. Ein Modell ohne Vorhersagekraft kann trotzdem sehr nützlich sein.

Quelle: J. M. Epstein, „Why Model?“, Journal of Artificial Societies and Social Simulation 11(4), 2008.

Alfred Korzybski — „Die Karte ist nicht das Gebiet“

Alfred Korzybski prägte in Science and Sanity (1933) den Satz „The map is not the territory“ — eine Repräsentation ist niemals identisch mit dem Repräsentierten. Für die Modellierung heißt das: Ein Modell kann nützlich, sogar unverzichtbar sein — und ist trotzdem niemals die Sache selbst.

Quelle: A. Korzybski, Science and Sanity: An Introduction to Non-Aristotelian Systems and General Semantics, 1933.

Barbara Minto — MECE (Pyramid Principle)

Barbara Minto entwickelte mit dem Pyramid Principle das Prinzip MECE — „mutually exclusive, collectively exhaustive“: Teilfragen oder Kategorien eines Problems sollen sich nicht überlappen und zugleich das gesamte Problem abdecken. Grundlage vieler Konzept- und Issue-Bäume im Methodenkatalog dieser Werkstatt.

Quelle: B. Minto, The Pyramid Principle: Logic in Writing and Thinking, Minto International, 1987.

Redlichkeit & Grenzen dieses Werkzeugs

Wichtige Einordnung: Diese Werkstatt ist ein Denkwerkzeug, kein Orakel. Modelle liefern keine Wahrheit, sondern zweck- und kontextgebundene Vereinfachungen. Ein „gutes“ Modell ist eines, das für seine konkrete Frage nützlich ist — nicht eines, das jeden Aspekt der Realität erfasst.

Beispielwerte und Textvorschläge in dieser Werkstatt sind illustrativ. Die Selbsteinschätzung im Kompetenz-Check ist reine Selbstauskunft ohne Normstichprobe — ein Anhaltspunkt zur Selbstreflexion, kein validierter Test.

Quellen (Übersicht)
  • Box, G. E. P. (1976): Science and Statistics. Journal of the American Statistical Association 71(356).
  • Meadows, D. H. (2008): Thinking in Systems: A Primer. Chelsea Green Publishing.
  • Sterman, J. D. (2000): Business Dynamics: Systems Thinking and Modeling for a Complex World. McGraw-Hill.
  • Page, S. E. (2018): The Model Thinker. Basic Books.
  • Epstein, J. M. (2008): Why Model? Journal of Artificial Societies and Social Simulation 11(4).
  • Korzybski, A. (1933): Science and Sanity.
  • Minto, B. (1987): The Pyramid Principle. Minto International.

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