📁 Deine Entscheidungen
Lege benannte Entscheidungen an — jede speichert den Stand aller vier Werkzeuge automatisch in Deinem Browser (localStorage). Nichts verlässt Dein Gerät.
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🤔 Welche Methode passt zu Deiner Frage?
Beantworte vier kurze Fragen — der Assistent begründet, welches Werkzeug Dir jetzt am meisten hilft.
🔲 Eisenhower-Matrix
Sortiere Deine Aufgaben nach wichtig (bringt mich meinen Zielen näher) und dringend (verlangt sofortige Reaktion). Jeder Quadrant hat eine klare Empfehlung.
★⏰ Wichtig + dringend
→ Sofort tun — selbst erledigen, heute.
★ Wichtig, nicht dringend
→ Terminieren — fest einplanen, hier entsteht Wirkung.
⏰ Dringend, nicht wichtig
→ Delegieren — abgeben oder radikal verkürzen.
Weder wichtig noch dringend
→ Streichen — bewusst nicht tun.
Je Aufgabe: ★/⏰ umschalten verschiebt sie in den passenden Quadranten, ✕ löscht sie.
⚖️ Pro-Contra nach Franklin
Benjamin Franklins „moral or prudential algebra“ (Brief an Joseph Priestley, 1772): Argumente in zwei Spalten sammeln, gewichten — und Argumente, die einander aufwiegen, gedanklich streichen. Hier übernimmt der gewichtete Saldo das Aufwiegen für Dich.
✅ Pro (0)
❌ Contra (0)
Noch keine Argumente.
🕰️ 10-10-10 (Suzy Welch)
Prüfe Dein Bauchgefühl über drei Zeithorizonte: Wie fühlt sich die Entscheidung in 10 Minuten, 10 Monaten und 10 Jahren an? So trennt sich der kurzfristige Impuls von dem, was Deinen Werten langfristig entspricht.
Der unmittelbare Impuls: Erleichterung? Angst? Was fühlst Du direkt, nachdem Du Dich entschieden hast — und was sagen die Menschen um Dich herum?
Der Alltag danach: Wie sieht ein normaler Dienstag aus? Was hat sich eingespielt, was nervt, was trägt? Bereue ich etwas — oder bin ich froh?
Die Lebensperspektive: Passt die Entscheidung zu dem Menschen, der ich sein will? Was erzähle ich rückblickend darüber?
🪦 Pre-Mortem (Gary Klein)
Statt zu fragen „Was könnte schiefgehen?“, tust Du so, als sei es bereits schiefgegangen. Diese „prospektive Rückschau“ macht Risiken konkreter und erlaubt Bedenken, ohne als Miesmacher dazustehen — ideal im Team.
Schritt 1 — Entscheidung notieren
Was habt Ihr (hypothetisch) beschlossen?
Schritt 2 — Es ist 1 Jahr später. Es war ein Desaster.
Stell Dir das Scheitern als Tatsache vor. Warum ist es schiefgegangen? Sammle jeden plausiblen Grund einzeln — auch unbequeme.
Schritt 3 — Bewerten & entschärfen
Schätze je Grund die Wahrscheinlichkeit und notiere eine konkrete Gegenmaßnahme.
Schritt 4 — Zusammenfassung
📄 Gesamt-Report
Alle vier Werkzeuge der aktiven Entscheidung auf einem Blatt — zum Drucken oder als Text für Notizen, E-Mail oder Protokoll. Werkzeuge ohne Einträge werden als „nicht ausgefüllt“ gekennzeichnet.
📚 Herkunft, Grenzen & wann welche Methode passt
🔲 Eisenhower-Matrix Priorisieren
Herkunft: Benannt nach Dwight D. Eisenhower, der 1954 in einer Rede das (von ihm einem früheren Hochschulpräsidenten zugeschriebene) Diktum zitierte: „Ich habe zwei Arten von Problemen, die dringenden und die wichtigen. Die dringenden sind nicht wichtig, und die wichtigen sind nie dringend.“ Als 2×2-Matrix populär gemacht u. a. durch Stephen R. Covey (The 7 Habits of Highly Effective People, 1989, „Quadrant II“).
Wann sie passt: Wenn Du viele Aufgaben hast und entscheiden musst, was zuerst drankommt — nicht, ob Du etwas tun sollst. Besonders wertvoll, wenn Dringendes das Wichtige verdrängt.
Grenzen:
- „Wichtig“ ist subjektiv — ohne klare Ziele sortierst Du beliebig.
- Verführt zum Abarbeiten von Q1, während Q2 (wichtig, nicht dringend) weiter aufgeschoben wird — genau das Gegenteil der Absicht.
- Delegieren (Q3) setzt voraus, dass es jemanden gibt, an den Du delegieren kannst.
- Bewertet Aufgaben einzeln, nicht Abhängigkeiten zwischen ihnen.
Quellen: D. D. Eisenhower, Ansprache vor der Second Assembly of the World Council of Churches, Evanston, 19. 8. 1954; S. R. Covey, The 7 Habits of Highly Effective People, 1989.
⚖️ Pro-Contra nach Franklin Abwägen
Herkunft: Benjamin Franklin beschrieb seine „moral or prudential algebra“ in einem Brief an den Chemiker Joseph Priestley vom 19. September 1772: ein Blatt in zwei Spalten (Pro/Contra) teilen, über mehrere Tage Argumente sammeln, Gewichte schätzen und Argumente, die einander aufwiegen, beidseitig streichen — was übrig bleibt, zeigt die Richtung.
Wann sie passt: Bei einer konkreten Ja/Nein-Frage mit vielen benennbaren Argumenten, wenn Du strukturiert vergleichen statt fühlen willst — allein oder als Diskussionsgrundlage.
Grenzen:
- Scheinobjektivität: Die Gewichte bleiben Bauchgefühl in Zahlenform.
- Man kann (unbewusst) so lange Argumente nachlegen, bis das Wunschergebnis herauskommt (Rationalisierung, Bestätigungsfehler).
- Viele schwache Argumente können ein einziges entscheidendes überstimmen.
- Schlecht für Entscheidungen mit mehr als zwei Optionen — dafür eher Nutzwertanalyse/Entscheidungsmatrix.
Quelle: B. Franklin, Brief an Joseph Priestley, London, 19. 9. 1772 (in: The Papers of Benjamin Franklin, Bd. 19).
🕰️ 10-10-10 Bauchgefühl prüfen
Herkunft: Entwickelt von der Wirtschaftsjournalistin Suzy Welch, zunächst als Kolumnen-Idee (u. a. O, The Oprah Magazine), ausgearbeitet im Buch 10-10-10: A Life-Transforming Idea (2009). Kern: die Folgen einer Option bewusst in 10 Minuten, 10 Monaten und 10 Jahren durchfühlen.
Wann sie passt: Bei persönlichen, wertegeladenen Einzelentscheidungen, wenn kurzfristige Emotionen (Angst, Verlockung, Konfliktscheu) das Urteil verzerren könnten. Schnell, ohne Material, auch unterwegs.
Grenzen:
- Menschen sagen ihre künftigen Gefühle systematisch schlecht voraus (affective forecasting, Wilson & Gilbert): Wir überschätzen Dauer und Intensität künftiger Emotionen.
- Liefert keine Fakten- oder Zahlenbasis — sie ordnet nur die Gefühlsseite.
- Die Horizonte sind symbolisch; für manche Fragen sind andere Zeiträume sinnvoller.
- Für Team-Entscheidungen ungeeignet, da rein persönlich.
Quellen: S. Welch, 10-10-10: A Life-Transforming Idea, Scribner, 2009; T. D. Wilson & D. T. Gilbert, „Affective Forecasting“, Advances in Experimental Social Psychology 35 (2003).
🪦 Pre-Mortem Risiken finden
Herkunft: Vom Kognitionspsychologen Gary Klein geprägt und 2007 im Harvard Business Review („Performing a Project Premortem“) beschrieben. Grundlage ist die Forschung zur prospektiven Rückschau (Mitchell, Russo & Pennington, 1989): Wer sich ein Ereignis als bereits eingetreten vorstellt, findet deutlich mehr und konkretere Ursachen. Daniel Kahneman empfiehlt die Methode in Thinking, Fast and Slow (2011) gegen Überoptimismus und Gruppendenken.
Wann sie passt: Vor schwer umkehrbaren Entscheidungen oder Projektstarts, besonders im Team: Sie legitimiert Bedenken („Warum ist es gescheitert?“ statt „Bist Du dagegen?“) und wandelt sie in Gegenmaßnahmen um.
Grenzen:
- Findet Risiken, bewertet aber weder Chancen noch den Nutzen der Entscheidung — sie beantwortet nicht, ob Du es tun sollst.
- Kann bei ängstlichen Gruppen Entscheidungsblockaden verstärken.
- Ersetzt kein fortlaufendes Risikomanagement — eine einmalige Sitzung veraltet.
- Qualität hängt an Offenheit: In Angstkulturen bleiben die wahren Gründe ungenannt.
Quellen: G. Klein, „Performing a Project Premortem“, Harvard Business Review, Sept. 2007; D. J. Mitchell, J. E. Russo & N. Pennington, „Back to the Future: Temporal Perspective in the Explanation of Events“, Journal of Behavioral Decision Making 2 (1989); D. Kahneman, Thinking, Fast and Slow, 2011.
🧭 Faustregeln: Wann welche Methode?
- Viele Aufgaben, wenig Zeit? → Eisenhower-Matrix.
- Eine Ja/Nein-Frage mit vielen Argumenten? → Pro-Contra nach Franklin.
- Persönliche Frage, starke Gefühle im Spiel? → 10-10-10.
- Große, schwer umkehrbare Entscheidung — vor allem im Team? → Pre-Mortem (gern zusätzlich zu einer der anderen).
- Die Methoden schließen sich nicht aus: Erst Franklin zum Abwägen, dann Pre-Mortem zum Absichern ist eine bewährte Kombination.
- Keine Methode nimmt Dir die Entscheidung ab — sie machen Dein Denken nur sichtbar und prüfbar.
🧰 Werkstatt oder Trainer? Abgrenzung
Diese Werkstatt ist für schnelle Alltags-Entscheidungen gedacht: vier einfache Heuristiken, in Minuten anwendbar, ganz ohne Wahrscheinlichkeiten oder Rechenmodelle.
Für komplexe Entscheidungen — mehrstufig, unter Unsicherheit, mit bezifferbaren Ausgängen und Wahrscheinlichkeiten — gibt es in der Suite den ⚖️ Entscheidungs-Trainer: Dort übst Du formale Methoden wie Entscheidungsbäume und Markow-Entscheidungsprozesse (MDP).
Faustregel: Reicht eine Liste oder ein 2×2-Raster, bleib hier. Brauchst Du Erwartungswerte über mehrere Stufen, nimm den Trainer.