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🧭 Onthology Werkzeuge für Führung, Kommunikation & Selbstreflexion

🛡️ Wappen-Generator

Schild, Teilung und Tinkturen heraldisch entwerfen — mit der Farbregel als Graphenfärbung, gemessenem Kontrast statt behauptetem und Reparaturvorschlägen, die begründet sind. Alles im Browser, nichts verlässt das Gerät.

1 Schild & Feld

Die Schildform bestimmt, welche Teile des Feldes überhaupt sichtbar sind — sie geht deshalb in die Nachbarschaftsrechnung ein und ist keine reine Zierde. Heraldisch rechts ist im Bild links (Sicht des Schildträgers).

2 Heroldsbild

Ein Heroldsbild liegt auf dem Feld (Schicht 1). Kreuz und Schragen sind ein Stück, nicht zwei gekreuzte (R14). Die Maße sind Konvention, nicht Wahrheit — die Autoritäten nennen teils ein Drittel, teils eine Spanne von 1/5 bis 1/3, und Fox-Davies hält die ganze Einteilung für eine Erfindung der Schriftsteller. Darum steht die Zahl hier sichtbar und ist verstellbar.

Herzschild (Schicht 4) — laut Grundsatz 4 unerwünscht

Die Berliner Erklärung sagt es ausdrücklich: „Überlappungen durch Mittel- oder Herzschilde sind unerwünscht.“ Angestrebt ist eine feld- bzw. schildfüllende Darstellung. Zulässig ist höchstens einer; das Werkzeug lässt auch nicht mehr zu (R13).

3 Gemeine Figuren

Figuren liegen auf dem Feld (Schicht 2). Sie werden feldfüllend skaliert — große Figuren reichen bis zum Rand, natürliche Größenverhältnisse bleiben außer Betracht (Grundsatz 4). Die Bewehrung (Zunge, Krallen, Schnabel, Hufe) soll abweichend tingiert werden (Grundsätze 2 und 5).

Vektorgrafik übernehmen (Piktogramm-Generator, Bild-Werkstatt, eigene SVG-Datei)

Der Piktogramm-Generator ist die Hauptquelle — sein Schlagwort in der Registry lautet bildgenerator. Lade dort ein Piktogramm als SVG herunter und übernimm es hier. Die Grafik wird aufbereitet: Transformationen eingerechnet, Konturen in Flächen gewandelt (heraldische Figuren haben keine Strichstärke), Ausdehnung gemessen, vereinfacht. Alles, was dabei nicht übernommen werden kann, wird benannt — nicht stillschweigend verschluckt.

SVG- oder JSON-Datei hierher ziehen — oder klicken

Gesperrt: Bundes-, Landes- und Gemeindewappen sowie Flaggen. Ihr unbefugter Gebrauch ist eine Ordnungswidrigkeit nach § 124 OWiG (R55) — das betrifft ausdrücklich auch die 16 Bundesländer-Wappen und die 261 Flaggen, die der Piktogramm-Generator vorhält. Emojis lassen sich nicht übernehmen: sie stehen dort als <text> und hängen an der Schrift des Geräts.

4 Oberwappen

Helm, Decke, Wulst und Helmzier. Das Layout folgt Grundsatz 8 der Berliner Erklärung: Schild 3 : Helm 2 : Helmzier 3 — als Konstante festgelegt und darum nachmessbar. Anders als im Schild dürfen die äußeren Wappenteile hier dreidimensional aufgefasst werden (Grundsatz 6).

Warum es hier keine Rangkrone, keine Schildhalter und keinen Wappenmantel gibt

Das sind Adels- und Amtszeichen. Wer sie ohne Grundlage führt, gibt vor, etwas zu sein — und genau davor warnt Grundsatz 9 schon beim Bügelhelm, der „vielfach prätentiös dazu verwendet [wird], adelige Abkunft vorspiegeln“. Sie fehlen hier nicht aus Versehen, sondern mit Absicht (R54). Der Bügelhelm ist wählbar, weil es alte bürgerliche Wappen gibt, die ihn nachweislich vor 1806 führten — das Werkzeug sagt dazu aber, was die Wahl bedeutet.

Die Devise wird als Schriftzug ausgegeben (<text>) und hängt damit an der Schrift des Anzeigegeräts. Wer sie als reine Vektorform braucht, setzt sie in der Logo-Werkstatt und übernimmt sie als Grafik.

5 Zusammensetzen (Marschallierung)

Mehrere Wappen in einem Schild. Entwirf ein Wappen, übernimm es als Teil, entwirf das nächste. Die Zählung beginnt im rechten Obereck und läuft zeilenweise; bei zwei Wappen wiederholt sich 1 als 4 und 2 als 3 (R41) — genau so, wie es der historische Bestand zeigt.

Warum es hier keine Halbierung (Dimidiation) gibt

Die älteste Art, zwei Wappen zu verbinden — je eine Hälfte —, erzeugt nachweislich mehrdeutige Bilder: ein Schrägbalken und ein Sparren sehen halbiert gleich aus. Genau daran ist sie historisch gescheitert und wurde durch die Spaltung ersetzt. Sie hier anzubieten hieße, einen bekannten Fehler nachzubauen (R42).

6 Tinkturen

Angeboten werden nur ganze Tinkturen — keine Nuancen, keine Pastelltöne, kein freier Farbwähler (Berliner Erklärung, Grundsatz 5 · Regel R25). Welche RGB-Werte eine Tinktur hat, ist dagegen nicht genormt: darum ist die Palette wählbar, und jede bringt ihre gemessene Kontrasttafel mit.

Pelzwerk und „naturfarben“ — warum sie klassenneutral sind

Pelzwerk (Hermelin, Gegenhermelin, Feh, Kürsch) und naturfarbene Figuren gelten seit jeher weder als Metall noch als Farbe. Im Nachbarschaftsgraphen heißt das: die Kante entfällt, der Konflikt verschwindet — das ist die zweite der vier Reparaturen aus dem Konzept (§5.2). Für die Kontrastmessung wird der Grund des Pelzwerks herangezogen; die Zeichnung darauf verändert die mittlere Helligkeit nur wenig, und das sagt das Werkzeug hier statt es zu verschweigen.

7 Prüfung & Siegelprobe

Die Farbregel ist hier keine Nachschlageliste, sondern eine 2-Färbung des Nachbarschaftsgraphen: erfüllbar genau dann, wenn der Graph bipartit ist. Findet sich ein Kreis ungerader Länge, wird er benannt — samt der Reparaturen, die ihn nachweislich brechen.

Siegelprobe — Fernwirkung messen statt behaupten

Grundsatz 1 vergleicht das Wappenbild mit einem Verkehrszeichen: es soll „aus größerer Entfernung erkennbar sein, so dass es selbst für eine Verwendung im Siegel noch verkleinert werden kann“. Das lässt sich prüfen.

Kontrasttafel der Grenzen (gemessen)

Kontrastverhältnis nach WCAG 2 aus der relativen Leuchtdichte (sRGB, gammalinearisiert), ΔE₇₆ in CIELAB (D65). Ampel: grün ≥ 4,5:1 · gelb ≥ 3:1 · rot darunter. Die Schwelle 3:1 ist die WCAG-Grenze für großflächige grafische Elemente und passt damit zu Schildflächen.

Nachbarschaftsgraph

Zwei Regionen sind benachbart, wenn sie eine gemeinsame Grenze positiver Länge innerhalb des Schildes haben. Eine reine Punktberührung — die Diagonalen im gevierten Schild — zählt nicht. Genau deshalb ist „geviert von Gold und Blau“ zulässig.

8 Blasonierung

Die Blasonierung ist der maßgebliche Text, nicht die Zeichnung: „Die Wappendarstellung folgt der Wappenbeschreibung“ (Grundsatz 10). Deshalb geht es hier in beide Richtungen — das Werkzeug schreibt sie, und es liest sie zurück.

Blasonierung lesen — Text zu Wappen

Gelesen wird Deutsch. Der Leser arbeitet mit denselben Wortlisten wie der Erzeuger — sie werden aus den Datentabellen abgeleitet, nicht ein zweites Mal geschrieben; nur so bleiben Schreiben und Lesen deckungsgleich. Gelesen wird tolerant, gemeldet wird streng: was nicht erkannt wurde, steht unten.

Was die englische Fassung anders macht

Englische Blasonierung ist keine Wort-für-Wort-Übersetzung, sondern eine zweite Grammatik: erst das Feld, dann das Heroldsbild, dann die Figuren — und Figuren auf einem Stück stehen als „on a fess Gules three mullets Or“, nicht als eigener Satzteil. Wo es keinen eingeführten englischen Begriff gibt (Kürsch), bleibt das deutsche Wort mit Erläuterung stehen; eine erfundene Übersetzung wäre schlechter als ein ehrliches Fremdwort. Gelesen wird nur Deutsch.

9 Export & Stände

Benannte Stände, Sicherung und Übernahme

Alles bleibt lokal im Browser (wappen-generator.v1). Kein Server, kein Konto, keine Übertragung.

Grundlage und Grenzen

Dieses Werkzeug steht auf Stufe 0–2 des Konzepts vom 4. August 2026: Schild, Feld, Teilungen, Schnittlinien, Regionenmodell, Nachbarschaftsgraph und Regelmaschine. Noch nicht enthalten sind gemeine Figuren, der Import aus dem Piktogramm-Generator, das Oberwappen (Helm, Decke, Zier), die Blasonierung als Eingabe und die Marschallierung — Stufen 3 bis 8.

Woher die Regeln kommen
  • Berliner Erklärung des HEROLD über heraldische Gestaltungsgrundsätze, Berlin, 24.04.2009 — Prüfgrundlage der Deutschen Wappenrolle. Grundsatz 1 (Fernwirkung: möglichst wenige Farben, Schildteilungen und Figuren), Grundsatz 5 (nur ganze Farben oder Metalle, keine Nuancen).
  • Hiltmann, T. & Schneider, P. (2023): The History of Heraldry Revisited — Introducing Digital Heraldry Ontology. The Heraldry Society. Wappen als geschichtetes Begriffsbild; 87 638 Vorkommen aus 286 Handschriften, 1150–1500. Die Mehrheit des Bestandes hat eine Schicht.
  • Farbregel: Pastoureau (~10 000 Wappen, 13.–15. Jh.); Heim: 1 500 Metall-auf-Metall-Verstöße unter 120 000 Wappen bei Rietstap = 1,2 %. Rund 99 % Regeltreue — belastbar als Leitlinie, nicht als Verbot. Deshalb ist R20/R21 weich.
  • Farbwerte: es gibt keine genormte Tinkturpalette. Mitgeliefert sind das französische Blasonprojekt, das Schwedische Reichsarchiv, OSCAR (SCA) und von Meißen.
Was dieses Werkzeug ausdrücklich nicht tut

Keine Rechtsberatung. In Deutschland darf sich jeder ein Wappen zulegen (formlose Stiftung); der Schutz läuft analog § 12 BGB über das Namensrecht. Ob ein Entwurf eintragungsfähig oder verwechslungsfrei ist, prüft dieses Werkzeug nicht — dazu bräuchte es die Wappenrollen. Bundes-, Landes- und Gemeindewappen sind keine Bausteine für ein eigenes Wappen (§ 124 OWiG).
Keine Namenssuche. „Das Familienwappen zu Ihrem Nachnamen“ gibt es nicht — Wappen gehören Familien, nicht Namen. Das ist der Kern des kommerziellen Angebots und heraldisch unhaltbar.
Keine Punktzahl. Ein „Wappen-Score“ wäre Scheingenauigkeit; die Literatur trägt ihn nicht.