Berufswichtige Qualitäten strukturiert einschätzen: Anforderungsprofil (SOLL) und Eignungsprofil (IST) auf einer 5-stufigen Ausprägungsskala, als Netz-Psychogramm mit Passungs- und Defizitanalyse. In der Tradition der Professiographie (William Stern; Klimow, Platonow) und der DIN 33430.
Schätze je Qualität die geforderte Ausprägung (SOLL, Anforderungsprofil) und die vorhandene Ausprägung (IST, Eignungsprofil) auf einer 5-stufigen Skala (1 niedrig … 5 hoch). Die Differenz Δ (IST − SOLL) zeigt Defizite (rot/gelb) und Übererfüllungen (grün). Der Merkmalskatalog ist editierbar: Bezeichnungen lassen sich anpassen (umbenennen), eigene Merkmale ergänzen und einzelne Merkmale für Auswertung/Radar/Bericht deaktivieren — die Standardkatalog-16 bleiben dabei erhalten.
Bewerte jede Aussage: 1 trifft nicht zu · 2 eher nicht · 3 teils/teils · 4 eher zu · 5 trifft voll zu. Je Qualität mehrere Aussagen, teils gegenläufig gepolt. „Auswerten" überträgt die Ergebnisse als IST (1–5) ins Eignungsprofil und wechselt zur Auswertung. Screening per Selbstauskunft — kein normierter Test (siehe Grundlagen: Psychometrische Einordnung).
Das Netz-(Radar-)Diagramm stellt das Anforderungsprofil (SOLL, gestrichelter Umriss) und das Eignungsprofil (IST, gefüllte Fläche) über alle aktiven Qualitäten des Merkmalskatalogs dar. Darunter Balken je Qualität sowie Passungs- und Defizitanalyse.
Vergleiche zwei Messzeitpunkte: Speichere den aktuellen Eignungsstand (IST) als Momentaufnahme und überlagere ihn später mit einem neuen Stand im selben Netz — Entwicklung wird so sichtbar.
Lade ein oder mehrere Fremdbilder — gespeicherte Psychogramm-Dateien (aus „💾 Speichern") einer beurteilenden Person. Jedes Fremdbild erhält eine eigene Farbe und wird mit dem Eigenbild (dein IST) verglichen. Die Auswertung zeigt die Streuung unter den Fremdbildern und die Abweichung Fremdbilder ↔ Eigenbild als deskriptive Varianzstatistik.
Ein Psychogramm ordnet die berufswichtigen Qualitäten und den geforderten Grad ihrer Ausprägung. Es verbindet Anforderungsanalyse (SOLL) und Eignungsdiagnostik (IST) zu einem Profilabgleich.
Der Begriff geht auf William Stern (um 1900/1911) zurück. Das Psychogramm ist der psychologische Kern der Professiographie — der geordneten Beschreibung eines Berufs: die strukturierte Zusammenstellung der berufswichtigen Qualitäten (russ. ПВК — профессионально важные качества) und des geforderten Grades ihrer Ausprägung.
In der arbeits- und ingenieurpsychologischen Tradition wurde das Psychogramm besonders von E. A. Klimow und K. K. Platonow systematisch ausgearbeitet. Es macht sichtbar, welche Fähigkeiten, Eigenschaften und Leistungsvoraussetzungen eine Tätigkeit verlangt — und in welcher Stärke.
Am Anfang steht die Anforderungsanalyse: Welche Qualitäten verlangt die Tätigkeit, und wie stark? Ergebnis ist das Anforderungsprofil (SOLL). Die eignungsdiagnostische Erhebung misst oder schätzt die tatsächlich vorhandenen Ausprägungen einer Person — das Eignungsprofil (IST).
Eignung ist die Passung beider Profile: der Profilabgleich zeigt, wo Anforderungen erfüllt werden, wo Defizite bestehen und wo Reserven (Übererfüllungen) liegen. Etablierte Methoden der Anforderungsanalyse sind u. a. die Critical Incident Technique (Flanagan 1954), Beobachtung, Experten- und Tätigkeitsanalysen.
Die DIN 33430 (erstmals 2002, überarbeitet 2016) formuliert Anforderungen an berufsbezogene Eignungsdiagnostik: eine fundierte Anforderungsanalyse, klar definierte Merkmale, standardisierte und normierte Verfahren, qualifizierte Beurteiler sowie einen transparenten, dokumentierten Prozess.
Zur Aussagekraft von Auswahlverfahren gilt die klassische Übersicht von Schmidt & Hunter (1998) als Referenz: strukturierte Verfahren und kognitive Leistungstests besitzen die höchste prognostische Validität; unstrukturierte Eindrücke deutlich weniger.
Das Eigenbild ist die Selbsteinschätzung, ein Fremdbild die Einschätzung durch eine beobachtende Person (Führungskraft, Kolleg:innen). Der Abgleich mehrerer Perspektiven folgt der Logik des 360°-Feedbacks. Ausgewertet wird die Streuung in zwei Richtungen:
Verwendet werden deskriptive Streuungsmaße (Populationsvarianz, Standardabweichung, Pearson-Korrelation), keine Inferenzstatistik. Geringe Selbst-Fremd-Übereinstimmung ist empirisch häufig; mehrere Fremdquellen erhöhen die Verlässlichkeit. Bei wenigen Beurteilern sind die Kennzahlen nur ein Anhaltspunkt.
Der Fragebogen ist eine Selbsteinschätzung im Likert-Format. Er ist bewusst nach anerkannten testtheoretischen Grundsätzen aufgebaut:
Grenzen (ehrlich): Es handelt sich um reine Selbstauskunft — anfällig für soziale Erwünschtheit, begrenzte Selbstkenntnis und Halo-Effekte. Es gibt keine Normstichprobe: die Werte sind kriteriumsfrei und illustrativ, nicht standardisiert. Drei Items je Skala sind ökonomisch, aber keine vollzählige, validierte Skala. Für belastbare Eignungsurteile: normierte, validierte Verfahren, mehrere Quellen (Selbst- und Fremdbild) und geschulte Auswertung (DIN 33430).
Wichtige Einordnung: Ein rating-basiertes Psychogramm ist eine strukturierte Einschätzung, kein validierter Test. Seine Aussagekraft hängt von der Qualität der Anforderungsanalyse und der Messung ab. Selbst- und Fremdurteile sind subjektiv und anfällig für Verzerrungen (Halo-Effekt, Milde-Effekt, Tendenz zur Mitte).
Für belastbare Eignungsurteile braucht es validierte, normierte Verfahren, mehrere Datenquellen und geschulte Beurteiler (DIN 33430). Datenschutz sowie eine faire, diskriminierungsfreie Verwendung sind zu beachten. Dieses Werkzeug ist kein Ersatz für professionelle psychologische oder klinische Diagnostik. Beispiel- und Bewertungswerte sind illustrativ.
Hinweis: Die Ausprägungs- und Beispielwerte dienen der Methode, nicht der empirischen Aussage über eine konkrete Person.