Werte klären, prüfen und leben — nach Vorbildern wie Benjamin Franklin. Von der Ausrichtung (Richtung, Ausprägung, Vorbild) über eine SWOT- und TOWS-Analyse bis zu Tagesreview-Fragen und einem Morgen-Impuls. Ein durchgängiger Prozess.
Woran willst du dich orientieren? Wähle eine Richtung und eine Ausprägung — weltlich-philosophisch oder religiös, oder ganz frei. Jede Ausprägung nennt ein Vorbild und ein vorgeschlagenes Werte-Set, das du übernehmen und anschließend frei anpassen kannst. Respektvoll und wertneutral gegenüber allen Richtungen.
Das Vorbild fließt später in den Morgen-Impuls ein: „Heute richte ich mich an … aus.“
Schätze je Wert deinen Ist-Stand (wie stark lebst du ihn heute?) und deinen Soll-Anspruch (1–5). Die Lücke zeigt, woran du besonders arbeiten willst — sie fließt in Tagesreview und Morgen-Impuls ein.
Vier Felder, auf deine Werte bezogen. Jeder Eintrag bekommt ein Kürzel (S1, O2 …), auf das die TOWS-Kombinationen verweisen. Optional kannst du je Eintrag einen Wert-Bezug wählen. Das geht anschließend flüssig in die TOWS-Kombinationen über.
Die eigentliche Arbeit: nicht die SWOT-Liste, sondern ihre Kombinationen. Paare einen internen (S/W) mit einem externen (O/T) Faktor und leite einen Vorsatz/eine Strategie ab. Der Typ ergibt sich automatisch:
Stärke nutzt Chance — den gelebten Wert offensiv einsetzen.
Schwäche über eine Chance abbauen — dem Wert näherkommen.
Stärke gegen Risiko — den Wert gegen Versuchung schützen.
Schwäche & Risiko zugleich — Situationen meiden, begrenzen.
Aus deinen befüllten SWOT-Feldern automatisch gebildete Kombinationen (S/W × O/T). Ein Klick übernimmt die Kombination unten und schlägt einen Vorsatz-Text vor — beides bleibt frei editierbar, bevor du „+ Vorsatz“ klickst.
Ein Klick baut aus allen Eingaben (Ausrichtung, Werte, SWOT, TOWS) zwei Dinge: einen Morgen-Impuls für den Start des nächsten Tages und Abend-Reviewfragen für die tägliche Selbstprüfung — in der Tradition Franklins. Beide sind danach frei editierbar. „Aus allem generieren“ erneut zu klicken fragt nach, ob Bearbeitetes überschrieben wird.
Schließe den Tag nach der Selbstprüfung mit einer Bilanz ab (1 = weit von meinen Werten entfernt … 5 = ganz nach meinen Werten gelebt). Jede abgeschlossene Bilanz wird mit Datum gespeichert; der Verlauf zeigt die Entwicklung über die Zeit.
Werte lassen sich klären und, wie eine Tugend, durch Gewohnheit einüben. Der Trainer verbindet die Ausrichtung an einem Vorbild, eine ehrliche Standortbestimmung (Werte, SWOT), konkrete Vorsätze (TOWS) und die tägliche Selbstprüfung (Review) zu einem durchgängigen Prozess.
Benjamin Franklin beschreibt in seiner Autobiografie ein Projekt der „moralischen Vervollkommnung“: eine Liste von 13 Tugenden (Mäßigung, Schweigsamkeit, Ordnung, Entschlossenheit, Sparsamkeit, Fleiß, Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit, Maßhalten, Reinlichkeit, Gemütsruhe, Keuschheit, Demut) mit je einer Kurzregel. Er führte ein kleines Buch und prüfte sich täglich. Jede Woche legte er den Fokus auf eine Tugend und arbeitete die Liste im Turnus durch. Zwei Leitfragen rahmten den Tag: morgens „Was Gutes werde ich heute tun?“, abends „Was Gutes habe ich heute getan?“
Aristoteles (Nikomachische Ethik) versteht Tugend als die rechte Mitte (Mesotes) zwischen zwei Extremen und als Gewohnheit/Haltung (Hexis) — man wird gerecht, indem man Gerechtes tut. Die Stoa ergänzt die Praxis: Seneca empfahl die abendliche Selbstprüfung (jeden Tag vor Gericht ziehen), Epiktet die Dichotomie der Kontrolle (unterscheiden, was in meiner Macht steht und was nicht), Marc Aurel das tägliche schriftliche Reflektieren (Selbstbetrachtungen).
Franklins tägliche Selbstprüfung hat ein religiöses Gegenstück: die ignatianische Gewissenserforschung (das tägliche Examen nach Ignatius von Loyola) — danken, sich prüfen, bereuen, sich vornehmen. Ähnliche Reflexionspraktiken finden sich in vielen Traditionen (die abendliche Gewissenserforschung, das jüdische Cheschbon ha-Nefesch „Buchführung der Seele“, kontemplative Achtsamkeitsübungen). Gemeinsam ist der regelmäßige, ehrliche Blick zurück und der konkrete Vorsatz nach vorn.
Die SWOT-Logik (Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken) geht auf die Harvard-Business-Policy-Gruppe zurück (Learned, Christensen, Andrews & Guth 1965). Ihr häufigster Fehler ist, bei der Liste stehenzubleiben. Heinz Weihrich (1982) ergänzte die TOWS-Matrix, die die Felder kombiniert: SO (ausbauen), WO (aufholen), ST (absichern), WT (vermeiden). Erst die Kombinationen erzeugen Vorsätze. Hier auf die eigenen Werte angewandt: gelebte Werte gegen Versuchungen einsetzen, Schwächen über hilfreiche Situationen abbauen.
Respekt & Ehrlichkeit: Dieses Werkzeug ist eine strukturierte Selbstreflexion — ein Journal in der Tradition Franklins und philosophischer wie religiöser Examen. Es trifft keine Wahrheitsaussage über Weltanschauungen, behandelt alle Richtungen respektvoll und ersetzt keine seelsorgerliche oder psychologische Begleitung. Die Werte-Bewertungen sind persönliche Selbsteinschätzung, nicht empirisch.